Das Freispiel

„ Freispiel ist die Zeitspanne im Tagesablauf, in der Kinder in möglichst freier Selbstbestimmung ihre Tätigkeit wählen und spontan aufbrechenden Spielbedürfnissen nachgehen können. Im Freispiel suchen sie ihr Spielmaterial, den Spielort und ihre Spielpartner selbst aus, setzen sich selbst ihre Ziele und Spielaufgaben und bestimmen von sich aus Verlauf und Dauer eines Spiels.“ 1)

Durch verständliche, sinnvolle und begründete Regeln, die möglichst mit den Kindern erarbeitet wurden, können sie in einem klaren Raum selbständig ihre Freiräume ausweiten.

Das freie Spiel ist die wichtigste Lernweise des Kindes. Im Spiel kann es selbständig handeln und alles erproben, was ihm interessant und wesentlich erscheint. Es kann mit Freude und ohne Leistungsdruck eigene Pläne verwirklichen, Probleme in Angriff nehmen und erfolgreich lösen. Hinzu kommt, dass das Kind im Spiel viele Bedürfnisse auslebt, wodurch es sich wohlfühlen und verwirklichen kann.

Im Freispiel erwirbt das Kind vielseitige Fähigkeiten und wird in seinem Sozialverhalten gefördert. Konfliktlösungen und das Zurücknehmen eigener Bedürfnisse können dazu zählen. Zugleich lernt das Kind sich selbst zu behaupten indem es eigene Ideen verwirklicht.


Die Selbständigkeit wird beim Treffen eigener Entscheidungen gefördert. Im kognitiven Bereich wird das Kind durch Umstrukturierung von Spielprozessen angesprochen. Erfolge bei verschiedenen Spielen, wie der Bau eines Turms, fördern das Selbstbewusstsein des Kindes.

Während dieser Zeitspanne können alltägliche Erlebnisse der Kinder verarbeitet werden. Damit die Kinder in ihrer freien Tätigkeit immer wieder Impulse für eigene Aktivitäten erhalten und Sicherheit bekommen, hat die Erzieherin die Aufgabe der indirekten und direkten Freispielführung. Dargestellte Beispiele beschreiben die ganzheitliche Tätigkeit des Kindes. Das Kind übt auf der kognitiven, emotionalen, sozialen, motivationalen, sprachlichen und motorischen Ebene seine Kompetenzen.

Beispiel:

Kinder bauen gemeinsam mit Legosteinen und unterhalten sich (Sozialverhalten-Kooperationsfähigkeit, Sprache-Ausdrucksfähigkeit) Dabei sucht das Kind 1 er Legosteine aus der Kiste (kognitiver Bereich-Beobachtungsfähigkeit, mathematisches Grundwissen). Ein anderes Kind versucht einen Dachbalken anzubringen, um das Dach zu stützen (Feinmotorik-Fingerfertigkeit, kognitiver Bereich-Konzentration/ Ausdauer). Ein weiteres Kind sucht weiße Legosteine aus der Kiste, um einen schönen gleichmäßigen Rand um das Haus zu bauen (kognitiver Bereich-Zuordnen/ Farben). Im Gespräch stellen die Kinder fest, “das ist mehr“ (kognitiver Bereich- logisches Denken, Zahlen- Mengenverständnis).

„Kinder sollten mehr spielen, als viele Kinder es heutzutage tun. Denn wenn man klein ist, dann trägt man Schätze mit sich herum, aus denen man später sein Leben lang schöpfen kann. Dann weiß man, was es heißt, in sich eine warme, geheime Welt zu haben, die einem Kraft gibt, wenn das Leben schwer wird“, 2)

 

Copyright:
1)Lorentz, Gerda: Freispiel im Kindergarten, Herder – Verlag, Freiburg, 13 / 2000, S.20 / 21
2)Bröder, Monika: Das letzte Jahr im Kindergarten, Herder – Verlag, Freiburg6 / 2000, S.54